Innert drei Wochen wird die grösste Schneeskulptur der Welt in die herrliche Naturarena des Oberengadins gebaut.
Von den Anfängen der vereisten Bobbahn von St. Moritz nach Celerina bis Anfangs der achtziger Jahre lag die Verantwortung des Baus in den Händen der einheimischen Familie Angelini, die die Bahn in drei Generationen baute. 1985 übernahm Louis Prantl die Verantwortung für den Bahnbau. Er wurde 1990 durch den Celeriner Christian Brantschen abgelöst, der mit seinem Baugeschäft der Brantschen AG bis heute für den Bau verantwortlich ist.
Obwohl sich während mehr als 100 Jahren Bahnbau vieles verändert hat sind die Grundsätze gleich geblieben. Der Bau der Bahn erfordert viel Erfahrung und Augenmass. Die heutigen Arbeiter profitieren natürlich von der technischen Entwicklung. So ist während der Bauphase ein Trax behilflich den Schnee Heranzuschaffen und Aufzutürmen. Auch mögliche Schneetransporte sind mit Lastwagen einfacher zu bewerkstelligen, als in den Anfängen.
Mitte November beginnt das bange Warten der Betriebsleitung auf den ersten Schnee, das Baumaterial für den Olympia Bobrun St. Moritz-Celerina. Denn in der letzten November Woche reist die Südtiroler Bahnmannschaft an, um innerhalb dreier Wochen aus 5000m3 Schnee und 4000m3 Wasser die grösste Schneeskulptur der Welt in die herrliche Naturarena des Oberengadins zu bauen. Die Bahn wird jedes Jahr von Grund auf neu gebaut und obwohl jede Kurve im Terrain genau ausniveliert ist, gibt es alle Jahre minime Änderungen in der Linienführung.
Das Vorgehen während der Bauphase ist genau abgestimmt. Der Bau beginnt Ausgang Sunny Corner. Die Bauequipe, die teils an einen Tatzelwurm erinnert wenn sie aus dem herumliegenden Schnee die Bahn konstruiert, arbeitet sich in Fahrtrichtung zum Horse Shoe weiter durch den Wald bis zum Bridge, anschliessend hinunter zum Martineau und hoch zum Portago bis schliesslich mit dem Auslauf das Zielhaus erreicht wird. Zum Schluss wird die Strecke vom Start bis in den Sunny Corner gebaut und mit dessen Endausbau die Bahn zu einem Stück vereint.
Der gewünschte Ablauf kann jedoch durch hohe Temperaturen oder Schneemangel beeinträchtigt werden. In diesem Fall ist Flexibilität der Bauequipe und Betriebsleitung gefragt, denn dann müssen Streckenabschnitte, die keine "Hochbauten" und wenig Schnee benötigen - wie z.B. der Start und der Auslauf - anderen Abschnitten vorgezogen werden. Eigentlich entspricht die Änderung des Bauplans einer Weiterarbeit in der Hoffnung auf bessere Verhältnisse, so dass die "Hochbauten" sprich Kurven gebaut werden können.
Nach Abschluss des Rohbaus der Bahn teilt sich die Bahnmannschaft auf. Jeder Bahnarbeiter bekommt einen Streckenteil zugewiesen und ist für dessen Endausbau und Pflege verantwortlich. Die täglichen Ausbesserungsarbeiten werden hauptsächlich am Nachmittag vorgenommen und dauern pro Abschnitt bis 4 Stunden. Während der morgendlichen Fahrzeiten ist der Bahnarbeiter in seinem Abschnitt Teil des Sicherheitsdispositivs.
Ist der letzte Bob der Saison im Ziel angekommen wird unverzüglich mit dem Abbau begonnen. Die schützenden Sonnensegel werden entfernt und damit die Bahn dem Verfall Preis gegeben. In der immer stärker werden Engadiner Märzsonne schmilzt die Eisskulptur langsam dahin. Bis Mitte Juni ist, nach der Gesamtreinigung des Bahnareals, vom winterlichen Treiben "fast" nichts mehr zu sehen!